Govaert Wendelen (Vendelinus)
Skizze des Mondes mit handschriftlichen Anmerkungen, s.d.
Staatsarchiv in Lüttich, Archivfonds der Familie Mercy-Argenteau, Dokumente des Astronomen und Humanisten Govaert Wendelen,
©Generalstaatsarchiv
inv. 4065, Folio 432

OBJEKT 15

Govaert Wendelen (Vendelinus) wurde im Juni 1580 in Herk-de-Stad geboren. Damals war Herk-de-Stad Teil der Grafschaft Looz und des Fürstentums Lüttich.
Vendelinus studierte am Jesuitenkolleg in Tournai und später an der Universität Löwen. Im Jahr 1611 erwarb er einen Doktortitel „in utroque jure“ der Universität von Orange.
Anschließend wurde er Priester in Geetbets (1620-1633) und in Herk-de-Stad (1633-1650). Zwischenzeitlich wurde er auch zum Kanoniker des Kapitels Condé ernannt. Im Jahr 1648 wurd ihm die Leitung des Kirchengerichts der Diözese Tournai übertragen. Zwei Jahre später erhielt er eine Kanonie und eine halbe Präbende (Einkommen aus kirchlichen Ämtern) der Kathedrale in Tournai. Vendelinus verstarb in Gent im Jahr 1667.

Der Humanist und Astronom Govaert Wendelen (Vendelinus) überprüfte die Keplerschen Gesetze in Bezug auf die Satelliten von Saturn und berechnete die Parallaxe der Sonne.
In Tournai veröffentlichte er eine Werk über Kometen mit dem Titel „Teratologia cometica“, in dem er die heliozentristische Astronomie verteidigt.

Die Arbeitsdokumente des Astronomen werden beim Staatsarchiv in Lüttich als Archivfonds Mercy-Argenteau in drei Schriftbündeln aufbewahrt. Diese enthalten handschriftliche Briefe, zahlreiche astronomische und rein mathematische Berechnungen sowie Notizen (in Latein oder Griechisch) und Dokumente (Diplome, Ernennungen, usw.).

Die ausgestellte Schriftensammlung (Nr. 4065) enthält Notizen, Schemata (u.a. Teile der Tables atlantiques – eine im Jahr 1662 fertiggestellte Tabelle mit astronomischen Gesetzen), astronomische Beobachtungen aus den Jahren 1643 bis 1653, und sein Manuskript über die Mondfinsternis mit dem Titel „Eclipses lunares ab anno MDLXXIII ad MDCXLIII observatae“, das 1644 in Antwerpen veröffentlicht wurde. Der Einband stammt aus der Moderne, wahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert.

Weitere bemerkenswerte Dokumente aus der Feder von Vendelinus werden beim Staatsarchiv in Lüttich aufbewahrt:

  • Eine „Chronicque tres exacte depuis la Création du monde jusques à la présente année MDCXXXV, du monde 5603“ , s.d. [1635],

  • Eine „Brieve chronicque des choses les plus remarquables depuis l’an 1500 jusques à présent“, s.d. [1625], worin er Karl V., Martin Luther, das Konzil von Trient und den Bau des Kanals von Willebroek erwähnt;

  • Eine „Brieve chronicque des choses les plus remarquables qui sont arrivées en ce pays despuis les Troubles jusques à présent“, s.d. [1630] ;

  • Eine kurze Abhandlung über Astronomie in spanischer Sprache.

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