Objekt 22

Sonnenuhr mit beweglichen Augen
Vergoldetes Messing und bemaltes Holz
Schwartzwald, ca. 1780-1820
Inv. G 1067 (Legats von Godtschalk, 1915)
Königliche Museen für Kunst und Geschichte

 

Seit prähistorischen Zeiten haben die Menschen gelernt, die Sonne zu nutzen, um sich selbst zu orten und den Lauf der Zeit zu messen; zuerst durch einfache empirische Beobachtung, dann mit Sonnenuhren und mehr oder weniger entwickelten Astrolabien.
So ist es nur natürlich, dass der Sonnenstern in das dekorative Repertoire der ersten Uhrwerke aufgenommen wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Sonne oft zur Dekoration von Pendeln verwendet. Sie tauchte dann in der allegorischen Form eines menschlichen Gesichts auf, von vorne gesehen und mit Lichtstrahlen besetzt, eine Ikonografie, die in Frankreich am Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV. besonders beliebt war.

Im folgenden Jahrhundert findet man sie zusammen mit dem Mond in der Verzierung der emaillierten Zifferblätter von Komplikationsuhren wieder.

Im 18. und 19. Jahrhundert spezialisierte sich der Schwarzwald auf die Herstellung von billigen Pendeluhren und Wanduhren mit lustigen und raffinierten Geräten: Kuckucksuhren, Glockenspiele, verschiedene Automatenuhren. Die Uhrenkästen waren inspiriert durch berühmte Themen aus der Volksliteratur und der Folklore. Es gab sie in Form von Eulen und nachtaktiven Vögeln, Märchenfiguren, Fantasie- oder exotischen Tieren usw.

Dieses Sonnenpendel stammt aus dieser niedrigpreisigen Wanduhrenproduktion. Das Zifferblatt ist aus getriebenem Messing und mit dem Pinsel vergoldet und hat die Form eines Kindergesichts, das direkt von der Ikonografie der Pendel von Prestigeuhren inspiriert ist. Die Stunden werden von silbernen arabischen Ziffern auf den Strahlen angezeigt. Die in das Blech geschnittenen Augen zeigen zwei bemalte Augäpfel aus Holz aus leuchtendem Irisblau. Sie sind direkt mit der Mechanik verbunden und bewegen sich von rechts nach links im Rhythmus der Pendelschwingungen. Genau diese amüsanten Details waren es, die den Erfolg der Schwarzwälder Uhren in ganz Europa bis in das 20. Jahrhundert hinein ermöglichten.

 

 

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